INTO THE FRAY

Indie-Folk/Post-Rock | Sindelfingen


Once more unto the breach, dear friends, once more
- William Shakespeare, Henry V, act III, scene i -

Das Leben ist voller Widersprüche. Ein Paradox jagt das nächste, oftmals gaukeln uns unsere verdammten Sinne nur eine Illusion vor. Daran kann man verzweifeln, nichts leichter als das. Man kann es sich aber auch zunutze machen. Wie Lukas Klotzbach, der seinem Ende 2014 gegründeten Soloprojekt den kampfbereiten Namen Into The Fray gegeben hat. Auf ins Getümmel also. Kaum einer, der da nicht an aggressive Klänge, an explosive Gitarren und jede Menge Lärmbereitschaft denkt. Und dann erstaunt, vielleicht sogar ziemlich verwirrt innehält: Introvertiert, zurückgenommen, schwebend, hypnotisch und umgarnt von feinster Melancholie klingt sie, seine Musik. „Ich finde den Gedanken schön, ein wenig verblüfft zu sein, wenn man den Namen zum ersten Mal liest“, bekennt Klotzbach – und betont, dass der Name eine gewisse Sichtweise auf das Leben illustrieren soll.

Into The Fray haben sich an der feinen Schnittstelle zwischen Melancholie und Euphorie niedergelassen, in jenen Grenzlanden also, in denen sich Trauer in Stärke und Freude urplötzlich in Nachdenklichkeit wandelt. Die Musik gleicht einem Indie-Nachtstück, das auf einem klassischfolkigen Singer/Songwriter-Fundament aufbaut und mit sphärisch-verhallendem Fingerspitzengefühl emsig die Grenzen zwischen Post Rock, Pop und Alternative verwischt wie ein Scheibenwischer die Regentropfen. „Musik löst Emotionen in mir aus, die ich in der realen Welt kaum erreiche“, bekennt der 19-jährige Sänger und Gitarrist. „Musik ist für mich Eskapismus und Kompensation, ein Weg in eine Utopie, in der gesellschaftliche oder politische Aspekte völlig irrelevant sind.“

Dass das aller romantischer Eskapismus-Verklärung vom einsamen Musiker zum Trotz nicht immer mit einem normalen Leben vereinbar ist, weiß Klotzbach. Nur zu gut weiß er das. Davon singt er im ehrlichen und gerade deswegen so berührenden „I'm A Dreamer“ von seinem ersten Demo. „Dieses Stück ist nicht unbedingt positiv gemeint“, verrät er. „Es geht darum, Hin- und Hergerissen zu sein. Diesbezüglich bin ich mal ein Träumer, der hofft – und mal ein Pessimist, der realisiert.“ In seiner Musik kollidieren diese beiden Gegensätze, hier ist sein Reich, in dem er sich gehen lässt. „Ich lasse mich bewusst von meinen Emotionen überwältigen“, so der junge Stuttgarter Künstler. Das hört man der Musik an. Schwerelos klingt sie, bewusst ohne Erdung, schwebt locker ein paar Zentimeter über dem Boden. Die nahezu durchgehend präsente Melancholie erfüllt hierin die Funktion eines Ankers, wie er sagt: „Das Wichtigste an meiner Musik ist, dass ich mich dabei wohlfühle. Gerade diese melancholische Stimmung lässt das zu.“ Exemplarisch wird das im Stück „Fragile“. All alone, all alone. I 've been stranded singt Klotzbach hier mit dem Gestus des Verzweifelten. „Scars & Scratches“ schlägt denselben Ton an. We're roaming endlessly until we're fading away. Seine Musik trägt eine Facette seiner Persönlichkeit, ist für ihn „ein Weg, meine verrückten Gedanken in die reale Welt zu integrieren ohne dabei total deprimiert zu sein.“ Unverbesserlicher Optimist prallt auf knurrigen Pessimisten, beide treffen sich in der Mitte, machen zusammen Musik, arrangieren sich. Das ist Into The Fray. Eine Kampfansage an die Lethargie, gleichzeitig ein Rückzugsort für dunkle Tage. „Ich schreibe Musik, um von Sorgen loszulassen oder gewisse Problematiken zu konfrontieren, während gleichzeitig die Hoffnung besteht, dass die Musik auch anderen Leuten hilft.“

Ein wenig ist er natürlich auch ein Freak. Wie jeder Künstler eben. Gäbe es sie nicht, wäre unsere Welt ein grauer Ort. Und Lukas Klotzbach nur ein realistischer Pessimist mit herabhängenden Mundwinkeln. Die Musik ist es, die ihn akzeptieren lässt, die ihm Schutz bietet. Für sie stürzt er sich nur zu gern ins Getümmel. Alles andere wäre nicht er selbst. Alles andere wäre nicht Musik.

Lukas Klotzbach - Gesang, Gitarre
Fabian Glück - Gitarre
Marian Hepp - Bass
Bastian Kilper - Schlagzeug

Website intothefraymusic.com


Teilnahmejahr 2017